Donnerstag, 28. Februar 2019
Radio zieht um auf DAB+ oder ins Internet?
DAB steht für «Digital Audio Broadcasting» das + für noch besseren Klang und noch mehr Programm- und Gerätevielfalt. Versprochen wird, dass DABplus die Radioakustik in eine neue Liga hievt. Dank digitaler Übertragungstechnik garantiert DABplus perfekten Klang und störungsfreien Empfang ohne Rauschen. Nicht nur zu Hause, sondern auch unterwegs und im Auto.

Leider sieht die Realität etwas anders aus. Nachdem die Konsumenten nur schleppend DAB-Radios gekauft hatten, wurde DABplus eingeführt. Leider müssen dafür schon wieder neue Radios gekauft werden. Wer es noch nicht satt hatte, neue Radiogeräte zu kaufen, wurde aber vermutlich spätestens dann von der Klangqualität enttäuscht.

DAB sollte die Probleme beheben, die FM (UKW) hatte: kein Rauschen mehr und gleichbleibende Dynamik unabhängig von der Empfangsstärke. Und DAB rauscht tatsächlich nicht mehr. Nur leider wurde mit DABplus ein neuer Standard eingeführt, der oft dumpf und verzerrt klingt.

Warum klingt DAB+ oft so schlecht?
Auf DABplus haben deutlich mehr Sender Platz. Das wird mit geringerer Bandbreite und also reduzierter Datenmenge ermöglicht. Dabei wird das Signal mit dem MP3, resp. MP4/AAC-Codec in seiner Qualität reduziert. MP3 und AAC bringen nicht nur Kompression, sondern starke Reduktion, bei der leise Elemente ganz einfach entfernt werden.

Viele Produzenten mischen neue Musik möglichst «flach» ab. Dh. Unterschiede zwischen laut und leise werden immer geringer. Radiostationen nutzen ebenfalls Prozesse, die die Lautstärke auspegeln, um zwischen Gespräch, Werbung und Musik eine konstante Lautstärke zu erreichen. Dabei werden alte Aufnahmen, die wesentlich mehr Dynamik hatten, bereits angeglichen.

Bei DABplus treffen so zwei Prozesse aufeinander. Der MP4-Codec von DABplus versucht, Daten zu reduzieren, indem er leise Elemente aus der Musik löscht. Aber davon gibt es relativ wenig, weil die Radiostationen bereits ein Prozessing gemacht haben. Das Resultat ist ein Klang, als ob ein stark komprimiertes MP3 erneut in ein MP3 konvertiert worden wäre. Die Musik klingt dumpf und verzerrt.

Allerdings kann DABplus deutlich besser klingen, wenn der Radiosender sich auf die neue Technologie einstellt und keine Prozesse laufen lässt, die für FM verwendet worden sind. Auch die Empfangsgeräte können in der Verarbeitung des Signals verbessert werden. Die heute oft hörbaren Artefakte könnten also noch verschwinden. Aber während Musik aus dem iTunes Store erst ab einer Datenrate von mind. 192kBit/s einigermassen vergleichbar gut klingt wie eine CD, wird DABplus bei seiner stark beschränkten Bandbreite immer unter 100kBit/s liegen und qualitativ nie ganz überzeugen.

Hinzu kommt, dass heute erst rund 30 Tunnels in der Schweiz mit DABplus ausgerüstet sind. Der Internetempfang dagegen ist in wesentlich mehr Tunnels sichergestellt.

Internetradio
Zwar ist zu begrüssen, dass mehr Sender Platz haben auf DABplus. Aber während unsere Streamer von LINN längst davon profitieren, dass Musik im Internet in besserer Qualität als auf CD verfügbar ist, ist es sehr ernüchternd, dass DABplus sogar iTunes hinterherhinkt.
Sh. dazu unseren anderen Blog-Eintrag: [iTunes ist qualitativ wesentlich schlechter als Spotify, Tidal oder Qobuz].

Internetradio ist wesentlich flexibler. Während auch hier diverse Sender nur mit 64kbit/s (also auf DABplus Niveau) verfügbar sind, kann SRF beispielsweise mit 128kBit/s empfangen werden. Auch das ist nicht nicht vorbildlich, denn diverse Sender bieten bereits 320kBit/s.

Tatsache ist aber, dass Internetradio qualitativ heute schon besser ist als DABplus und nach oben alle Luft hat. Tatsache ist auch, dass bereits heute vielmehr Sender über Internet verfügbar sind als jemals auf DABplus Platz haben werden.

Und Tatsache ist auch, dass jeder LINN Streamer Zugang zu Internetradio bringt.